Kunst:Offen hat in Gristow eine lange Tradition

Kaum jemand weiß noch, wo Kunst Offen eigentlich herkam und wann es begann. Es begann vor ca. 30 Jahren in Südschweden als dort Laienkünstler zum Zwecke der Unterhaltung, kultureller Bereicherung und Verkauf ihre Ateliers und Werkstätten öffneten, um die Öffentlichkeit an ihrer Arbeit, oftmals im Verborgenen, teilhaben zu lassen.

24 Jahre gibt es diese Tradition nun auch in Vorpommern. Jedes Jahr zu Pfingsten wehen die blau-weißen Vorpommernfahnen mit der Aufschrift Kunst Offen an dieser oder jener Kunst- und Kultureinrichtung. Künstler/innen aus dem Profilager oder mit Laienstatus erwarten ihre kunstinteressierten Gäste.
Seit 15 Jahren geschieht dies mit ungebrochenem Erfolg auch in der Kirche zu Gristow. Quasi für das Amt Landhagen präsentieren vor allem aus den Gemeinden Neuenkirchen und Mes-ekenhagen vor allem Laienkünstler/innen und Kunsthandwerker/innen in verschiedenen Genre der bildenden und angewandten Kunst ihre Arbeiten. Drei Tage lang zeigen ca. 18 bis 20 Lai-enkünstler (in Einzelfällen auch Berufskünstler) Öl- und Aquarellmalerei, Grafik, Fotografie, Keramik, Textil- und Näharbeit, Skulpturen aus Speckstein oder Holz, Floristik und Literatur mit Lesungen. Alle verdienstvollen Künstler/innen hier aufzuzählen würde wohl den Rahmen eines Zeitungsartikels sprengen. Organisiert und am Leben erhalten wird die Laienkünstler-schau zu Pfingsten vom Förderverein zur „Erhaltung der Gristower Kirche e.V.“, vom Kir-chensprengel Neuenkirchen und Umgebung und von der Kommune. Als langjähriger Ideen-geber und Organisator soll dann aber doch der Name von Diakon Jochen Freese erwähnt wer-den, der zu Lebenszeiten in unermüdlichen Weise vor allem die Anfangsjahre von Kunst Of-fen, Abteilung Gristower Kirche, gestaltete und bereicherte. Es bedarf in der Tat viele Helfe-rinnen und Helfer, um diese Mammutveranstaltung zu organisieren und zum Erfolg zu führen. Die federführenden Hauptorganisatoren Uwe Rieger und Kerstin Ziesemer wissen davon ein Lied zu singen. Jedes Jahr wird lange vor Beginn ein Organisationsteam aus Zirkelmitglieder, Künstlern und Interessenten ins Leben gerufen, welches durch ihre Initiativen für einen ordnungsgemäßen Ablauf und sich vor allem um ein anspruchsvolles Begleitprogramm kümmert.

Und so geht es dann am Pfingstsamstag nachmittags mit einem Orgelkonzert sowie der Begrüßung durch Kirche, Kommune und Künstler los. Zuvor waren per Plan die Stellplätze der Künstler/innen verteilt und die Kunstwerke und Ausstellungsgegenstände angeliefert worden. Viele Künstler bleiben auch die drei Tage lang vor Ort. Ein wichtiges Element der Kommunikation und Spendeneinnahmen war und ist die Versorgung, und die ist jedes Jahr eine Au-genweide für sich. Fast jede Familie, die in Kunst Offen involviert ist, spendet einen Kuchen, Kaffee oder Sekt, und das vom Allerfeinsten. Der Erlös durch den Verkauf wird zu 100 Pro-zent dem Förderverein gespendet und dient im jeweiligen Jahr einem Projekt zum Erhalt der Gristower Kirche. So konnte mit dem Geld die Orgel mitrenoviert werden, die Kirchentür restauriert, das historische Kirchengestühl aufgearbeitet, die Fensterluken im Turm repariert, der Grabstein des Küsters Johann Dietrich Behrens restauriert und viele Dinge mehr.

Im 15. Jahr von Kunst Offen in Gristow soll nun die beliebte Kindermitmachaktion, „Wir malen oder töpfern“ erweitert werden, es wird auch ein Buch mit gesammelten Torten und Kuchenrezepte erscheinen und eine Fotostrecke mit gesammelten Fotos aus der Geschichte von Kunst Offen in Gristow wird es auch geben. Wer dann zum kulturellen Höhepunkt am Pfingstmontag kommt? Ob Musikgruppe oder Kleinkunstdarbietung? Da lassen Sie sich gerne überraschen, wenn es zu Pfingsten wieder heißt: Kunst:Offen!

Hans-Jürgen Schumacher